Der Anfang

Der eigentliche Anfang für diesen Blog liegt bereits ein paar Monate zurück. Und zwar genau am 20.03.2017

An diesem Tag habe ich, bewaffnet mit zwei Blumensträußen (und jeweils einem geheimen roten Briefchen darin), zum ersten Mal vor dem Verlagsgebäude gestanden.

Der Mann meines Lebens stand (mit entsprechend schlechter Laune) im Halteverbot. Das Löwenmädchen brüllte genervt im Kindersitz auf der Rückbank. Aber dieser eine Moment gehörte mir.

Backsteine, Rundbogenfenster und Cobblestones, dachte ich.

Das englische Cobblestones, nicht das deutsche Kopfsteinpflaster. Ich war mal für ein paar Monate beruflich in Irland und in Australien unterwegs. Seitdem sind einige Begriffe nicht mehr so schnell auf Deutsch abrufbar. Als hätte mein Gehirn entschieden, dass ihm dieses oder jenes Wort auf Englisch besser gefällt und die deutsche Variante im Hintergrund versteckt.

In diesem Moment waren es jedenfalls Cobbelstones und mein Gehirn und mich durchflutete ein leises Gefühl der Freude. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber genau so sollte ein Verlagsgebäude aussehen. Mit Backsteinen, Rundbogenfenstern und Cobbelstones.

Von User:High Contrast – Selbst fotografiert, CC BY 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=31608882

Dann war der Moment vorbei, ich beeilte mich zum Eingang zu kommen und klingelte. Es erschien aber niemand. Dafür öffnete sich die Glastür ein paar Meter weiter und eine freundliche Dame sagte „Ich bin hier drüben.“ Auf mein strahlendes „Blumenlieferung“ betrachtete sie die Namen auf den zwei roten Umschlägen, nahm mir die Sträuße ab und strahlte zurück „Kriege ich hin.“

Und dann saß ich wieder im Auto. Wir verließen das Halteverbot und steuerten die nächste Postfiliale an, um zwei große weiße Briefumschläge (mit Logo darauf und meinem Manuskript darin) auf ihren Weg zu schicken.

Über die Rückfahrt würde ich lieber schweigen. Vier Stunden Fahrt zurück ins Ruhrgebiet (von denen das Löwenmädchen nur zwei schlief und sich den Rest der Zeit langweilte), ein beinahe Auffahrunfall, ein blankes Nervenkostüm und ein völlig überflüssiger Streit während der Pause an der Raststätte.  Rückfahrten gehören grundsätzlich verboten!

Als wir endlich zuhause auf die Couch sanken war sowieso alles wieder gut. Wir hatten drei schöne Tage in Hamburg verbracht. Und als dann auch noch das Babyphone leise Schnarchlaute aus dem Kinderzimmer übertrug, konnte man diese Zeit gedanklich noch einmal durchgehen und das Bildmaterial sichten.

Mein persönliches Highlight der zweitschönsten Stadt der Welt (als Schönste schiebt mir mein Gehirn ganz gedankenlos London nach vorne) waren die Landungsbrücken, Hamburgs sprichwörtliches Tor zur Welt. Die Vorstellung davon, dass hier für tausende von Menschen ein ganz neues Leben begonnen hat, wie viele von hier ins Unbekannte aufgebrochen sind… Sorgen, Ängste, Träume und Hoffnungen.

Gänsehaut. Nahrung für das romantische Schreiberherz.

Elbphilharmonie

Auf dem Weg von den Landungsbrücken zur Elbphilharmonie

Und das selbige kleine Schreiberherz wurde an dem Abend auf der Couch ganz unruhig und flatterhaft. Und so sagte ich zum Mann meines Lebens: „Hm, Schaaatz?“

Er zog die Augenbrauen hoch.

Ich „Die Sache mit dem Abfragen der Emails über das Handy …“

Kennt ihr diesen Blick? Dieses ‘Da rede ich seit Monaten auf die Frau ein, die wehrt sich mit Händen und Füßen, und jetzt, jetzt kommt sie mir so?!’

Ich liebe mein Smartphone, klar. Aber ich hasse es ständig und überall erreichbar sein zu können/sollen/müssen. Ich hatte monatelange Phasen, in denen ich das Handy tagsüber auf lautlos gestellt habe, lege es heute noch oft weg und weigere mich vehement, auch noch meine Emails minütlich auf dem Mobilteil abzufragen.

Aber das ist ja jetzt irgendwie eine Ausnahme. Nur die eine Emailadresse. Und nur auf manuelle Abfrage. Kein automatisches Ping. Und … naja und überhaupt.

Der Mann meines Lebens streckte die Hand aus „Na gib schon her, ich richte dir das schnell ein“

Und so kann ich jetzt minütlich, rund um die Uhr und jeder Zeit checken, ob CARLSEN mir eine Email geschrieben hat. Ob sie, aufgrund des Exposés und der Leseprobe, das ganze Manuskript sehen wollen. Ob es noch Rückfragen gibt und ob sich überhaupt irgendwer dafür interessiert.

 

Anzahl Mail-Checks am 20.03.2017: 4
Mails von CARLSEN: 0

(die Unterlagen waren noch in der Post und keiner Im Verlag hatte meine Email-Adresse)

3 Gedanken zu „Der Anfang

  1. Sehr kurzweilig, gefällt mir.
    Witzigerweise sind es bei mir auch Cobblestones, ein viel schöneres es Wort. Aber mich prägte da eher ein Radklassiker! Ich drücke dir die Daumen, dass sie sich schnell melden…(ich lese erst einmal weiter 🙂 )

    • Danke dir 🙂
      Spannend, ich hätte Gedacht, Radfahrer wären nicht so gut auf den hubbeligen Bodenbelag zu sprechen. 🙂

  2. Die Sache mit dem Handy kenne ich, aber irgendwann kommt der Tag, dieser Tag an dem man unbedingt erreichbar sein möchte und dann ist es geschehen. Mein Handy suche ich trotzdem Täglich aufs neue und manchmal verbringt es auch ein ganzes Wochenende ungesehen in der Tasche im Schrank 😉 Jetzt gehe ich erst mal gespannt weiter lesen. 😀

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