Der doppelte Tod

Ja, es geht um Tarotkarten. Bevor ihr aber jetzt anfangt abfällig mit den Augen zu rollen oder vor lauter Begeisterung eure Aura überhitzt, möchte ich dazu ein paar persönliche Dinge sagen.

Glaube ich an Tarotkarten? Ja und nein!

Ich glaube an das menschliche Unterbewusstsein. Meiner Meinung nach landen in unserem täglichen, kopflastigen Alltag — der von Regeln, Logiken und Strukturen geprägt ist und auch geprägt sein muss — schnell unsere Instinkte und das „Gespür für die Dinge“ im Hintergrund.

Das soll jetzt um Himmelswillen nicht bedeuten, dass wir alle zukünftig unsere Entscheidung nur noch aus dem Bauch heraus treffen sollten und damit dann alles Blümchen ist.

Trotzdem bin ich fest davon überzeugt, dass es einen persönlich weiter bringt ab und an mal genauer auf die Dinge zu hören, die das Unterbewusstsein einem so mitteilen möchte.

Tarotkarten sind eines der Kommunikationsmittel, die man für solche internen Zwiegespräche nutzen kann. Die Bilder auf den Karten sind bewusst bedeutungsschwer und assoziationsreich ausgelegt. Sie betreffen alle elementaren Bereiche unseres Lebens und lösen oft schnelle und spontane Gedankengänge aus.

Ich persönlich glaube nicht, dass sie die Zukunft vorhersagen, aber ich glaube, dass sie mir meine Wünsche, Ängste, Schwerpunkte und mein instinktives Gespür, für die Prozesse und Entwicklungen in meinem Umfeld zeigen können.

Grade liegen sie mir allerdings schwer im Magen. Meine persönlichen Karten für das nächste Jahr sind nämlich der Tod und der Tod!

Also … ALTER VATTER!!!

Klar, das Erste was da nach oben kam, waren die Ängste.

  • Meine Tochter
  • Die Ehe
  • Das Buchprojekt
  • Mein Vater
  • Meine Mom
  • Meine Großeltern …

Moment, halt stopp! Seltsame Liste, oder nicht? Zuerst die Sorge ums Kind. Ganz normal, genau wie die weiteren Familienmitglieder. Aber die Ehe und das Buchprojekt?

Das mit der Ehe ist schnell erklärt. Der Mann meines Lebens behauptet ständig, dass er bestimmt nicht alt wird. Mein Unterbewusstsein ist also felsenfest davon überzeugt, dass er mich überlebt. Gab aber ein bisschen viel Streit in letzter Zeit. Eigentlich nichts allzu dramatisches, dachte ich. Aber Ängste sind Ängste und eine Scheidung wäre nur eine andere Art des Verlustes. Macht also in dem Kontext schon irgendwie Sinn.

Aber das Buchprojekt???

Nebenbei spannend, wie das Unterbewusstsein die eigene Sterblichkeit verdrängt. Ich stehe nicht auf der Liste, wie ihr seht. Klar, ich hab ja auch nicht vor zu gehen, nur weil mich da so zwei Knochenschädel von den Karten angrinsen. Nee! Können die vergessen!

Aber wieso das Buchprojekt? Und was genau kann daran sterben? Ich meine, so gesehen ist es ja schon einen kleinen Tod gestorben. Die Absage von CARLSEN hat den Gedanken an eine Veröffentlichung in absehbarer Zeit sowas von beendet. Der Traum von CARLSEN als Verleger: gestorben.

Aber Moment, die Karten gelten erst für mein nächstes Lebensjahr und bis zu meinem Geburtstag ist noch ein paar Monate Zeit. Gilt also nicht.

Was ist es dann?  Ich denke da muss ich wohl tiefer graben. Das Buchprojekt ist so gesehen eher ein Sinnbild. Es steht stellvertretend für meine Träume. Der Traum vom eigenen Buch und davon irgendwann mit dem Schreiben genug Geld verdienen zu können, dass ich davon leben kann.

Kreativität, Unabhängigkeit, die Freiheit das zu tun, was man tun will. Ziemlich elementare Wünsche. Wenn die grundsätzlich unmöglich würden … na, da hab ich es wohl doch noch auf die Liste geschafft, wie?!

Natürlich kann man das mit den zwei Todeskarten auch positiver betrachten. Es geht bei dieser Karte nicht zwangsläufig um den Tod oder den Verlust von etwas Liebgewonnenem. Die Karte steht auch für etwas Altes, das einfach überflüssig geworden ist. Alte Strukturen die sich eben „totgelaufen“ haben und abgelegt werden.

Aber wenn man gleich zwei von den Sensenmännern vor der Nase hat, braucht man schon ziemlich viel Optimismus um davon auszugehen, dass sich nur negative Dinge verabschieden werden.

Nee, in dem Fall überschattet die Palette der Urängste alles, was eventuell an Gespür für mögliche Entwicklungen vorhanden wäre.

Wärend ich so darüber nachdenke, merke ich plötzlich wie im Hintergrund das Schreiberherz auf und abhüpft und vor Begeisterung fast platzt. „WIE GEIL IST DAS DENN?!“

Äh, bitte wie???

EIN OMEN! EINE TODSDROHUNG! EIN DÜSTERES ZEICHEN!!! WIE GEIL IST DASS DENN?!

 

Schon gut, bitte nicht so brüllen. Aber … naja … stimmt eigentlich. Das ist allerschönstes Geschichtenmaterial.

Ich meine eine Todeskarte kann jeder, aber gleich zwei?! Ich fange an, mich ein wenig wichtig zu fühlen. Etwas skurril, aber deutlich besser als Angst. Und dann übernimmt die Fantasie und in meinem Kopf geht es los:

Ein Doppeltod … zwei Personen? … aber die hängen dann schicksalstechnisch zusammen, sonst klappts nicht … starker Bezug, ein Liebespaar? Oder Zwillinge? … aber Tarotkarten sind persönlich, da müsste man schon selbst zweimal sterben … wie? … durch Wiederbelebung? … oder doch Morde? … man kann durchaus zwei Menschen gleichzeitig umbringen, Kleinigkeit … oh, aus Versehen wäre cool … Gäbe es noch eine Möglichkeit das abzuwenden? …

Also Leute, ich fühl mich grade herrlich lebendig und bin echt gespannt, was mir das nächste Jahr so bringen wird.

Ob ich dabei drauf gehen, oder irgendwen umbringen werde (in echt oder auf dem Papier) und was alles ansonsten auf der Strecke bleibt, könnt ihr weiterhin hier mitlesen.

Mir bleibt jetzt wirklich nur noch eins zu sagen, ein Zitat aus einer meiner Lieblingsserien, Dr. WHO:

 

We are all stories in the end.

Just make it a good one!

 

 

 

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