Ein Regentag und das Zuhause im Buch

Es ist Freitag und ich sitze mit einer Tasse Tee auf der Couch und beobachte den Regen draußen vorm Fenster. Solche Momente sind so selten. Wann hat man schon wirklich genug Ruhe und Muße um einen Tee und den Regen zu genießen?

Heute ist mein freier Tag und weil das Löwenmädchen früh um acht einen Kontrolltermin beim Arzt hatte, sind wir beide zuhause. Das Mädchen schlummert neben mir, über einem Bilderbuch eingeschlafen und von mir liebevoll zugedeckt. Solche Momente sind noch viel seltener, für den Mittagsschlaf ist sie schon fast zu alt.

Eigentlich wollte ich ein Buch lesen. „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern liegt aufgeschlagen auf meinem Schoß. Eine gute Geschichte, eine die rein möchte in meinen Kopf.

Doch da sind zu viele Geschichten drin, die raus wollen, die überdacht werden möchten. Seit der Absage sind einige Dinge passiert. Ich hab mit der Schreiberrunde gesprochen und in großer Gruppe diskutiert, wie ich jetzt weiter vorgehen sollte. Und ich hatte das Glück über Facebook Kontakt zu einer freien Lektorin zu bekommen. Der habe ich den Anfang meines Manuskriptes zum Testlesen gegeben und dann haben wir ein langes Telefongespräch darüber geführt.

Seitdem ist alles irgendwie in der Schwebe. Ich weiß noch nicht, was ich weiter tun will und ich lasse mir absichtlich Zeit mit der Entscheidung. Manchmal müssen die Dinge leise im Hintergrund vor sich hindenken, bevor man irgendwann weiß, was die beste Entscheidung ist.

Jetzt grade ist ein Moment, wo die Hintergrundgedanken nach vorne drängen. Ein nachdenklicher Moment. Alles schwimmt durch- und ineinander. Aber schön langsam, dem Regentag und dem Tee angemessen.

Mein anglophiles Gehirn weist darauf hin, dass es eine britische Sitte ist, schwarzen Tee mit Milch zu trinken, aber es ist eine Ostfriesen-Teemischung und ich habe diese Angewohnheit von einem Urlaub auf Juist mitgebracht.

Die Idee mit dem Buch für Erwachsene meldet sich, schüchtern und abwartend. Es ist bereits ein kleines Konzept dazu vorhanden. Ein Urban-Fantasy Roman zu dem ich das erste Kapitel geschrieben habe (zum Antesten). Ich denke, dass er funktionieren würde. Ich mag die Idee dahinter und glaube, dass daraus ein Roman werden könnte, denn ich auch selbst lesen möchte. Aber seltsamerweise fühlt sich diese Idee noch nicht ganz richtig an. Irgendwie … fremd.

Und schon lande ich doch wieder bei Salem und Tenazius. Bei dem Manuskript, das fertig auf meinem Schreibtisch liegt. Bei den Figuren, die ich lieb gewonnen habe.

Kennt ihr das auch, dass man sich in manchen Büchern auf eine eigentümliche Art „Zuhause“ fühlt? Ich neige normalerweise nicht dazu ein Buch ein zweites Mal zu lesen, aber es gibt eine kleine Hand voll Bücher, die nehme ich immer und immer wieder zur Hand (oder hör mir das Hörbuch an). Ein ausgewählter Kreis von Geschichten, von denen ich nicht lassen kann.

Wenn ich an mein fertiges Manuskript denke (das immer noch gerne ein Buch werden möchte), dann fühlt sich das genau so an. So „Zuhause“. Vielleicht ist es die selbe Art von Geschichte, wie die zu der auch meine Lieblingsbücher gehören. Vielleicht ist es aber auch nur Gewohnheit. Dann liegt es daran, dass ich in den letzten Jahren so viel Zeit mit Salem, Tenazius und ihren Hexenretter-Aufträgen verbracht habe.

Fakt ist, dass ich dieses Gefühl bei der Idee zu dem Urban-Fantasy-Roman nicht habe. Und Fakt ist, dass ich gerne Bücher schreiben möchte, in denen sich der ein oder andere Leser zuhause fühlen kann.

Also bleibe ich doch dabei?

Aber wie soll das genau aussehen? Das vorhandene Manuskript einfach weiter anbieten und einen zweiten Roman dazu schreiben? Das Manuskript überarbeiten und dann erneut anbieten? Oder einen ganz neuen ersten Fall für die HELL-Akten schreiben?

Das Löwenmädchen neben mir beginnt sich zu rühren, der Regenmoment ist vorbei.

Kurz werde ich unruhig, mit all den offenen Fragen in meinem Kopf. Aber dann schiebe ich sie in den Hintergrund zurück. Noch ist nicht Zeit das zu entscheiden.

6 Gedanken zu „Ein Regentag und das Zuhause im Buch

  1. Liebes, ich kenn das.

    Viele Autorinnen die ich kenne, haben NIE ihren ersten Roman, ihren Start in ein Autorenleben veröffentlicht. Warum? Weil sie sagen, das die Geschichte eben noch nicht reif für den Markt ist.
    Sie haben weiter geschrieben und immer wieder den Startschuss rausgeholt, hier und da überarbeitet und wieder ruhen lassen. Bei vielen ist es sogar erst der dritte oder vierte Roman gewesen, den sie dann veröffentlichten. Weil so viel mehr Herzblut im ersten Manuskript liegt, als in dem zweiten oder dritten.
    Und wie gesagt, einige haben den ersten noch immer in der Schublade. Auch mein erstes Buch liegt in der Schublade. Wartend. Veröffentlicht ist das zweite und dritte.
    Warum? Ich weiß es nicht, es ist so ein Herzbuch. Es würde mich glaub ich zu sehr kränken, wenn dieses nicht angenommen würde. Also vom Leser. Verlage, sind mir eigentlich egal xD Carlsen, Impress, Oetinger alle haben es schon abgelehnt. Aber das nimmt mich gar nicht so mit. Es passt eben nicht ins Programm.
    Aber ich will es auch nicht einfach so raus hauen. Als schreib ich weiter, um mit diesen Büchern alleine genug Geld zu verdienen, damit das erste bearbeitet werden kann.

    Schreib und lass das erste ruhen! Das ist keine Schande! Viele machen es so. Du merkst ja selber, das es eben dein Herzprojekt ist.

    • Danke dir, Sabrina!
      Das mit dem „nicht einfach raus hauen wollen“ ist sooo wahr! 🙂
      Und ich drück dir die Daumen, dass es auch mit deinem Herzensprojekte noch klappt. 🙂
      Liebe Grüße

  2. Und wie ich „Zuhause“-Bücher kenne ❤ Harry Potter. Momo. Ronja Räubertochter. Und Herzsprung. Ich verstehe das so gut und finde es Toll, dass du dir Zeit lässt. Es wird noch mehr Regenmomente geben 😙

  3. Liebe Jasmin,
    Zuhause ist wo du Geborgenheit findest, wo du nicht nachdenken must was du sagst und was du tust. Du kannst dich bedingungslos fallen lassen. Und so ist es mit deinem Zuhause-Herz-Manuskript. Lass es fallen, bedingungslos und zwar in die Schublade, wo du es immer wieder rausholen kannst um Kraft und Mut zu schöpfen weiter zu machen.
    Schreibe eine neue Geshichte vielleicht neue Karaktere, eine andere Welt, aber von Anfang an mit dem richtigen Alter das gefragt wird. Vielleicht steht die neue Geschichte schon in den Regentropfen an deinem Fenster. Und der Herbst fängt ja gerade erst an.

    Und es hat mal jemand gesagt, du sollst über das schreiben was du kennst. Vielleicht ist dein Löwenmädchen noch zu Jung damit du den Jugendbuchkarakter wirklich treffen kannst.

    Ich sitze übrigens gerade hier beim Frhstück, schaue mir die Blätter im Garten an, wie sie ihre Frabe verändern und seh „unser“ Eichhörnchen wie es die Wintervorräte sammelt. Dabei fällt mir mein Zuhause Buch ein. Es ist Märchenmond, ich habe es sehr spät gefunden, ich glaube so mit 25 erst. Dein Liebster hat mich damals darauf gebracht, dafür bin ich ihm immer noch dankbar.

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