Grippe, Dickköpfigkeit & Level 3

Beim Schreiben geht es nicht ums Schreiben!

Pssst, jetzt mal ernsthaft zuhören. Ich hab die Grippe und mein Kopf ist beduselt, aber in dem Punkt bin ich so klar, wie nur irgendwas.

Beim Schreiben geht es nicht ums Schreiben, es geht ums Geschichten erzählen.

Das Tippen oder „Stift übers Papier führen“ mag eine nette Nebenbeschäftigung sein, vielleicht sogar meditativ bis heilsam, aber das ist nur ein Nebeneffekt. Das was zählt, ist die Geschichte.

Es sind die Charaktere, die wir lieben, mit denen wir leiden, die wir schlichtweg großartig finden. Es ist die Atmosphäre, die uns einhüllt und uns genau die Stimmung gibt, die wir haben möchten, oder grade brauchen. Es ist die Spannung, oder die Neugier, oder das „Zuhausegefühl“ (in manchen Fällen vielleicht sogar die Traurigkeit) die uns raus reißen aus unserem Alltag und das Leben einfach ein Stückchen besser machen.

Kurz gesagt: Es ist das MEHR, das aus den einzelnen Sätzen und Kapiteln geworden ist.

Ich persönlich glaube fest daran, dass ein Guter Romanautor vor allem eins sein muss, ein guter Geschichtenerzähler. Ich hab in den letzten Wochen viel darüber nachgedacht, was ich mit meinem Manuskript machen soll. Wie es weitergeht mit mir und der Schreiberei und was ich eigentlich will.

Und jetzt sitze ich mit Grippe zuhause auf der Couch, mein Kopf fühlt sich so dick und stumpfsinnig an wie ein Medizinball und die Antwort ist plötzlich sonnenklar.

Es ist ganz einfach. Ich will gute Geschichten erzählen und ich bin zu dickköpfig um mich auf irgendetwas anderes einzulassen.

Das Schreiberherz ist ein romantisches und es träumt davon die Leute zu „packen“ und durchzuschütteln, bis sie die letzte Seite umblättern, mich anlächeln und fragen: „Hast du noch mehr davon?“

Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem mir von Leuten, die selbst etwas mit dem Schreiben zu tun haben, gesagt wird „Hey, Schreiben kannst du!“ Ein Punkt an dem ich Absagen bekomme, die keine vorformulierten Standardtexte haben, sondern begründete Aussagen dazu, was an dem Text gefällt und was nicht.

Aber es ist eben auch ein Punkt, an dem mir gesagt wird „Das ist ganz gut, aber es packt noch nicht richtig.“ Ein Punkt an dem das Manuskript immer noch abgelehnt wird.

Fakt ist, Schreiben ist genauso ein Handwerk, wie alles andere auch. Also hilft nur eins:

Auf den Hintern setzen und besser machen!

 

Das ist wie ein Computerspiel mit mehreren Leveln. Jedes einzelne bringt ganz neue Herausforderungen mit sich.

Level 1

Mein allererstes Manuskript wurde mit der Begründung abgelehnt, dass es nicht strukturiert genug wäre. War es auch nicht. Ich hatte vorher nur Kurzgeschichten geschrieben und 300 Seiten waren eine ganz neue Herausforderung.

Level2

Manuskript Nr. 1 (ohne Struktur nicht tragbar) hab ich daraufhin ausgeschlachtet. Die besten Szenen, Charaktere und Elemente raus geholt und ein zweites ganz neues Manuskript geschrieben. Selbe Welt, selbe Hauptcharaktere, ganz neuer Plot.

Von einem Mangel an Struktur, hab ich dieses Mal keinen mehr reden hören. Jetzt lauten die Diagnosen: „Altersungenauigkeit“ und „packt deshalb nicht so richtig“. Muss also mehr auf den Punkt.

Level 3

Wie gesagt, ich bin dickköppfig. Heute in doppelter Hinsicht und gerade richtig aufgelegt um mir eine doppelte Dosis Paracetamol rein zu pfeifen und mit dem Schädel die nächste Wand einzurennen.

Ehrlich jetzt, was schert mich mein Gejammer von gestern. Nach dem Buch ist doch eh vor dem Buch, ganz egal, wie lange es dauert. Ich kann das besser!

Das zweite Manuskript landet vorerst in der Schublade. Es ist nicht schlecht und kann zu einem späteren Zeitpunkt zu einem durchaus würdigen zweiten Band der Reihe überarbeitet werden.

Aber das erste Buch einer Reihe muss mehr leisten. Das muss ein Auftakt sein, für alle weiteren die noch kommen. Ein Versprechen. Auch eine Warnung lieber die Finger davon zu lassen, weil man sonst irgendwann nicht mehr davon lassen kann.

Kurz gesagt: Das muss besser! Das schreiben wir neu!

… Level 3 ? … Bring it on!

 

 

4 Gedanken zu „Grippe, Dickköpfigkeit & Level 3

  1. Hi Jasmin,
    ich bin über dein Interview mit Anke Gasch auf deinen Blog gestoßen und habe dann auch in deine anderen Artikel reingeschaut. Aus eigener Erfahrung kann ich dir nur sagen – leg deine Idee beiseite und schreib was anderes. Das ist hart und tut weh, aber wenn du weiterkommen willst, dann hilft es nicht, an etwas festzuhalten, das dich gerade nicht zum Ziel führt. Mein erstes Buch habe ich sehr innig geliebt, aber ich musste einsehen, dass es nicht gut genug war. Also habe ich ein bisschen getrauert und dann etwas anderes gemacht, mit dem ich erst eine Agentur und schließlich auch einen großen Verlag überzeugen konnte. Und ganz ehrlich, ich liebe es genauso wie das erste Projekt. 😉
    Das bringt mich auf eine andere Frage: Warum hast du es eigentlich nicht bei einer Agentur versucht? Auch in Deutschland läuft bei den großen Publikumsverlagen kaum noch etwas ohne Agenten – und wenn du eine Agentur überzeugen kannst, ist sie Gold wert. Die Idee mit den Blumen ist natürlich toll, aber das kannst du ja nicht immer überall machen. 😉 Liebe Grüße und mach weiter!

    • Hallo Lana B,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und deine aufmunternden Worte. An eine Agentur hab ich auch schon gedacht. Da ich aber bisher genauso viel Gutes wie Schlechtes darüber gehört habe, wollte ich mir das in Ruhe überlegen.
      Freut mich, dass es bei dir so gut geklappt hat. 🙂

      Liebe Grüße
      Jasmin

  2. Da fühle ich mich doch kurz berufen, für Agenturen zu werben 😉
    Wenn man sich die Zahlen anschaut, wie selten es ein unverlangt eingesandtes Manuskript zur Veröffentlichung schafft, geht der Weg eigentlich nur über Agenturen. Wohlgemerkt – bei großen Verlagen. Bei kleineren und mittleren kann man es laut Berichten auch ohne schaffen, aber da du es bei Carlsen versucht hast, schätze ich, dass die großen Publikumsverlage dein Ziel sind. 😉
    Schlechte Erfahrungen mit Agenten gibt es sicher, aber wenn man genau schaut und nur seriöse, gut vernetzte Agenturen kontaktiert, ist man meiner Meinung nach auf der sicheren Seite. Man muss sich allerdings klarmachen, dass auch Agenturen unglaublich viele Einsendungen bekommen und nur wenige Autoren annehmen. Wenn man in diesen Club will, muss man nicht nur gut, sondern verkäuflich schreiben können. Der Weg verlagert sich also, aber dafür hat man dann Experten an der Seite, die im Verlagsdschungel mit der Machete vorangehen. 😉 Und: Wenn du keine Agentur findest, bleibt immer noch der direkte Weg zu Verlagen und du hast kaum Zeit verloren.

    • Ok, bleibt also erstmal dabei: Hinsetzen und besser Schreiben! Wird gemacht! 😉
      … und dann nochmal ran, an Verlage und Agenturen.

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