Oha, ich bin im Internet!

So richtig. Also nicht bloß zu Besuch, um andere zu lesen, oder Spaß zu haben. Ich wohn jetzt hier. Alle, wirklich alle alle, können mich mitlesen. Menschen die mich mögen, Menschen die mich nicht mögen, mein Nachbar, mein Chef, die Dame an der Aldi-Kasse, Menschen, die mich nicht einmal kennen. Vermutlich sogar meine Oma.

Da meine beiden Lieblings-Cousinen seit einiger Zeit entsprechende Aufklärungsarbeit leisten, sind meine Tanten nun mit internetfähigen Handys bestückt. Es ist also gar nicht so unwahrscheinlich, dass meine Großeltern den einen oder anderen Blog-Eintrag gezeigt bekommen.

Das ist … das ist wie …

Habt ihr jemals in eurem Leben Liebesbriefe geschrieben? Als Teenager, oder so? Und habt ihr dann mal eurer besten Freundin, oder einem guten Kumpel, einen von diesen Liebesbriefen gezeigt? Genauso fühlt es sich an. Irre aufgeregt, verschämt, besorgt, aber auch hingerissen und begeistert.

Zusammen gefasst könnte man sagen, hier vor der Tastatur wird grade so viel Adrenalin in die Blutbahn ausgeschüttet, dass es ausreicht die ganze Nachbarschaft mit Fackeln und Forken gegen die Müllabfuhr stürmen zu lassen (kleiner Scherz am Rande, zurückgelassenes Altpapier vor penibel gepflegte Vorgärten… EMPÖREND!)

Aber im Ernst jetzt: Ich bin auf einmal Bloggerin. Sowas war ich noch nie!

Und die gucken alle immer so komisch, wenn ich das erzähle. Als wüssten sie nicht ganz genau, ob das nun cool ist, oder doch nur zum milde lächeln.

Wobei, neu ist das nicht:

„Ja, ich Schreibe.“

„Ehrlich, so Gedichte und so? Wie süß.“

Sowas von süß! So süß, dass man seinem Gegenüber spontan die Sporttasche aus der Hand reißen und ihm seine Schwimmnudel über die Birne zimmern möchte. Als wenn Schwimmen, oder Fußball, oder von mir aus Hallenjojo ein ernstzunehmenderes Hobby wären, als Schreiben.

An einem wirklich gut geschriebenen Gedicht ist überhaupt nix süß und wenn ihr so lange im Wasser rumgezappelt hättet, wie ich an meinem 300-Seiten Manuskript gearbeitet habe, wärt ihr schon vor Monaten eingeschrumpelt wie eine Backpflaume. Rettungslos!

Nicht ernst genommen zu werden, ausgelacht, oder sogar zerrissen… klar, das kann passieren. Kann nicht nur, das passiert immer wieder. Und natürlich hab ich Angst davor nicht gut genug zu sein. Ich gebe mir wirklich alle Mühe, aber reicht das auch?

Spannend, wenn ich so darüber nachdenke ist die Sorge schlimmer als die Situation selbst. Das ist jetzt vielleicht etwas schwierig zu verstehen. Ich versuch es mal so:

Bei dem Gedanken daran, dass wirklich jeder hier mitlesen kann, fühle ich mich verunsichert und habe schon etwas Angst, ausgelacht zu werden. Wenn ich mir aber konkret so eine Szene vorstelle, in der sich jemand über mein Geschreibsel lustig macht, werde ich wieder ganz ruhig. Ppppfffft! So what!?

Die Sorge selbst ist also schwerwiegender, als die „vermeintliche Bedrohung“. Damit kann ich leben. Die Sorgen-Dinger machen sich immer zu wichtig.

Ist eh eine komische Sache mit dem „verletzlich sein“. Ich hab die Erfahrung gemacht, Offenheit ist manchmal schwierig und vielleicht nicht ganz angenehm, aber schwach macht sie einen nicht.

So sieht es aus, ihr Lieben.

Hier gibt’s noch einen Dicken Kuss für meine Oma und ich geh jetzt das Altpapier in die Garage räumen, bevor noch einer heult.

 

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