Sinonyme, Harz 4 und Augenlieder

Eine meiner Deutschlehrerinnen (ich weiß nicht mehr in welcher Klasse) hat mal über mich gesagt: „Ihre Aufsätze sind ja nicht schlecht und wenn sie weiter so viel liest, wird sie die richtige Schreibweise der Wörter schon aufschnappen.“

Das ist so ziemlich die unsinnigste Aussage, die ich je in meinem Leben gehört hab! Ernsthaft, wie kommt man auf sowas?

Wenn ich Bücher lese, sehe ich Bilder. Ich sehe Szenen und Geschichten und ganze Welten. Was ich nicht sehe sind Wörter. Oder gar die Buchstaben, aus denen sie zusammengesetzt sind. Entschuldigt, aber ich muss bis heute bei so viel Unverständnis den Kopf schütteln. Hat die Frau denn nie ein gutes Buch gelesen?

Aber wo wir schon bei Unverständnis sind: Mein Kopf ist — ebenfalls bis heute — voll davon, sobald wir die weitläufigen und detaillierten Felder von Orthographie und Grammatik betreten (ist dem ein oder anderen hier bestimmt schon aufgefallen, nä).

Das anglophile Gehirn rät prompt zur Benutzung der englischen Sprache. Die, so behauptet es frech, wäre viel einfacher als Deutsch und darin wäre ich auch viel besser (was nicht stimmt). Das Schreiberherz wiederum regt sich schrecklich darüber auf, wie man mit etwas so nebensächlichem so viel Zeit verschwenden kann. Zumal, wie schon erwähnt, sowieso keiner mehr die Wörter sieht, wenn die Geschichte gut ist (was fraglich bleibt). Die Leute sollten sich nicht alle so kleinkariert verhalten.

Ich kann das mit der Aufregung um die Rechtschreibung schon verstehen. Grammatik und Orthographie sind (ganz simple ausgedrückt) vernünftige Systeme, die regeln, wie Wörter, Sätze und Texte auszusehen haben. Sie schaffen Ordnung, vereinheitlichen und sorgen dafür, dass jeder jeden verstehen kann. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden, im Gegenteil.

Und noch etwas, seitdem ich mich nun über ein paar Jahre hinweg immer tiefgreifender mit dem Schreiben von Geschichten und Romanen beschäftige — und mir entsprechende Ratgeber und Lehrmaterialien rein pfeife — hat sich auch mein Leseverhalten geändert.
Will sagen: Desto mehr Gefühl ich dafür bekomme wie gute Texte geschrieben sein müssen, desto eher rege ich mich über Texte auf, die schlecht gemacht sind … und lege sie weg.

Folglich wird auch jemand der gut in Orthographie ist schneller einen Rechtschreibfehler sehen und — was am wichtigsten ist — davon aus der Geschichte gerissen werden. Deutlich schneller, als jemand den die Rechtschreibung nicht interessiert, so wie mich. Wenn ich das mal kurz überschlage … nä, zu viele!

Gut. Ich hab also die Wichtigkeit dieses Themas erkannt und tatsächlich nochmal versucht, dem Problem zu Leibe zu rücken. Da ich hoffe, dass die Duden Rechtschreibkorrektur den meisten von mir falschgeschriebenen Wörtern zuleibe rückt, hab ich mal mit Zeichensetzung angefangen … auf einem etwas einfacheren Niveau …

Und da waren sie wieder meine alten Probleme. Ich lese Begriffe wie Parenthese, Attribut, Apposition und Infinitivgruppe und bin raus. Ich bin wirklich nicht dumm, aber an dieser Stelle hat mein Gehirn ein Loch. Eines von der Größe einer ganzen Straßenbaustelle.

Mein Gehirn kommt grade noch bis zu der Frage, warum in der 6. Klasse guter französischer Rotwein getrunken wird und … biiieeep!

Da bleibt mir nur weiter auf die Duden Rechtschreibkorrektur zu setzen und auf das Heer von Freunden, die diesen Blog lesen und mir immer mal wieder sagen, dass man Harz 4 mit ‚t‘ schreibt und Augenlieder nicht singen können.

Ich korrigiere schnellstmöglich hinterher und verbleibe in der Hoffnung, dass ich für mein Manuskript irgendwann einen Lektor finde, der auch zuerst Bilder, Szenen und Welten sieht … und dann für die falschen Buchstaben und Zeichen eine Lösung hat.

Eure (ihr Bestes gebende)
Jasmin

 

 

4 Gedanken zu „Sinonyme, Harz 4 und Augenlieder

  1. Moin Jasmin,

    Du schreibst toll und ich kann dein Schreiberherz fühlen.
    Ich sitze hier auf Malta im Café und musste laut lachen als ich deinen Blog las.
    Ich versuche 2 Schülern, die in Prag auf eine deutsche Schule gingen aber Italiener sind, hier Deutsch zu lehren.

    Grammatikalisch korrekte Sätze klingen oftmals schrecklich und die beiden brechen sich einen ab vor lauter Nachdenken.

    Lasse ich sie allerdings “fühlen” anstatt “denken” sind die Ergebnisse flüssiger und oft auch sinnvoller.

    In diesem Sinne: einfach losplatzen und den Inhalt des Geschreibsels erfassen lassen!

    Und eines wirst du immer immer immer haben: Klugscheisser die es besser wissen 😜

  2. Liebe Jasmin,

    das Doofe an der Rechtschreibung ist nunmal, dass sie – falsch benutzt – den Sinn eines Wortes oder Satzes komplett verfälschen kann und somit zu Lasten der Geschichte geht. Ein einfaches Komma kann da schonmal Leben retten (Komm wir essen Opa!)…

    Aber solange Du Dich um so Dinge wie Geschichte, Charaktere, Plottwists und Atmosphäre kümmerst, verspreche ich hoch und heilig, dass ich auch weiterhin Ausschau halten werde nach Rechtschreibfehlern, fehlenden Kommas und kreativen Wortschöpfungen! Auf dass Du auch in Zukunft die “einzigste” Person sein wirst, die ungestraft das Wort “einzigste” benutzen darf! 😉

    Viele Grüße!

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