Von Schneeflocken und Desastern

Der Winter im Ruhrgebiet ist ja schon ein Desaster an sich. Zumindest für alle, die knackig kalte Winter mit ordentlich Schnee lieben.
Für die, die Schnee nicht mögen, auch. Kaum fällt nämlich mal eine Flocke, ist schon wieder Desaster, auf den Straßen und im Terminplan der Deutschen Bundesbahn.
Aber hier geht es ausnahmsweise nicht um die aktuelle Wetterlage, sondern um die akute Situation auf meinem Schreibtisch. Ebenfalls ziemlich desaströs … zum Glück.

Ich befinde mich mitten in der Storyplanung für meinen Roman und da braucht es mindestens drei ordentliche Katastrophen. Und dieses Mal habe ich mich obendrein an einer Schneeflocke versucht.

Die Schneeflockenmethode (englisch: Snowflake Method) von Randy Ingermanson soll die ganze Sache mit der Planung vereinfachen und einem, durch mehr Struktur, das Schreiben des Romans erleichtern. Das Grundprinzip lautet (frei übersetzt):

Gute Geschichten passieren nicht einfach, sie werden designt. Am besten, von einer simplen Struktur ausgehend, hin zu einer komplexen.

So wie sich (in der Abbildung) die Schneeflocke entwickelt. Vereinfacht ausgedrückt: Von einem Satz zu fünf Sätzen, zu einer Seite, zu 3 Seiten usw.

Ich möchte nicht die ganze Methode in ihrem vollen Umfang beschreiben (ich mache hier keine Werbung und bekomme auch kein Geld), sondern mit dieser kurzen Einleitung nur vorstellen, worum es geht. Gefällt mir nämlich das Schneeflocken-Ding. So auf den ersten Versuch fühlt es sich gut an und beim zweiten Hingucken erweist es sich sogar als wahrer Erstehilfekasten für mein Exposé.

Am Anfang steht ein einzelner Satz.

Habt ihr schon mal versucht, eure Geschichte mit nur einem Satz zu beschreiben? Spätestens für den Teaser sollte man da mal drüber nachdenken. ‚So kurz wie möglich‘ lautet da die Devise. Aber ganz am Anfang scheint das schwerer zu sein, als nach dem Showdown. Noch ist alles so vage, mehr Konzept und Ideenwust, als klar formulierbare Aussage.

Also ein Satz. Am besten einer mit einer Hauptfigur und einer Aktion. Dauert eine Weile, aber dann steht er da. Ganz oben auf meinem ansonsten jungfräulich weißen Blatt. Aussagekräftig, klar … beruhigend handfest.

Der zweite Schritt ist schon einfacher. Die Geschichte in einem Absatz, idealerweise bestehend aus 5 Sätzen (Aufbau, Desaster, Desaster, Desaster, Ende).
Ich arbeite seit meinem zweiten Manuskript mit der Drei-Akte-Struktur und diese Fünfer-Aufteilung stimmt damit ziemlich genau überein.

1. Story Setup – auslösendes Ereignis
2. Disaster 1 – Plot Point 1 (Entscheidung/Notwendigkeit in Aktion zu treten)
3. Disaster 2 – Midpoint (die Ereignisse verdichten sich)
4. Disaster 3 – Plot Point 2 (dunkelster Tiefpunkt)
5. Ending – Höhepunkt und Showdown

Was mir auffällt: Es fehlt die Prämisse. Tatsächlich ist die eines der ersten Dinge, die ich selbst für einen neuen Roman festlege. Wie hier schon erwähnt, fange ich sonst schnell mal an, über das Ding zu stolpern.

Die Prämisse und der Zentrale Satz (oder Teaser), mit dem die Snowflake Methode startet, sind NICHT dasselbe. Wundert mich also, dass die Prämisse hier zu Beginn keine Erwähnung findet. Nun gut, ich schreibe meine trotzdem auf und fahre fort mit der Schneeflockentechnik.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das, was Ingermanson in seiner Methode vorstellt, nichts weltbewegend Neues ist (Szenen- und Kapitellisten benutze ich z.B. schon vom ersten Manuskript-Versuch an, dass tun wohl die Meisten von uns) allerdings bringt die Technik die wichtigen Geschichtselemente sehr früh sehr genau auf den Punkt.

Durch die kurzen Charakterzusammenfassungen zum Beispiel, die die Methode empfiehlt. Nur ein paar Sätze zu Motivation, Ziel, wie die Figur die Geschichte erlebt und wie sie sich darin verändert. Einmal kurz die Story aus der Sicht aller wichtigen Figuren. Das ergibt (gleich zu Beginn) ein ziemlich rundes Bild und macht deutlich, was jeder will, wo die kritischen (und damit interessanten) Punkte liegen und ob noch logische Fehler vorhanden sind.

Der entscheidende Punkt für mich:

Für meinen Endgegner, das Exposé, ist das hier entstandene Schneeflöckchen auf meinem Schreibtisch wahres Gold wert. Das Exposé steckt da nämlich schon mit drin. Das hat sich von Schritt zu Schritt – und ganz nebenbei – einfach mitentwickelt. Noch einmal drüber gucken und etwas aufpolieren … fertig!

Ich bin sehr zufrieden und fühle mich bestens gerüstet, meinen Roman jetzt (mit links) runter zu tippen. Aber wer weiß, vielleicht überlegt sich ja währenddessen doch noch mal die eine oder andere Figur ihre Geschichte anders. Passiert schon mal. Plötzliche Anfälle wilder Kreativität oder so. Da hilft die beste Planung nichts.

Egal, dann schreiben wir den ganzen Kram halt um … das wär nun wirklich kein Desaster.

 

 

Ein Gedanke zu „Von Schneeflocken und Desastern

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