Von überarbeiteten Vorsätzen und langfristigem Unrealismus

Das Jahr ist grade mal drei Wochen alt und schon ist es voller Fragezeichen. Mehr so ja jetzt, oder eher nein? Ganz ehrlich, ich hab keine Ahnung!

Ich sitze mit meiner Kaffeetasse vor meinem frischen neuen Kalender und denke mir: Ich würde es halt gern ein bisschen besser machen als letztes Jahr. Ginge das nicht?

Zwölf ganz neue Monate, noch kaum Termine eingetragen. So viel Zeit und so viel Möglichkeiten. Wie hol ich denn das Beste da raus? Wie mache ich es so richtig gut?
Da gibts die üblichen guten Vorsätze, genau wie jedes Jahr:

  • Bisschen mehr Sport: mehr JA zur Bewegung
  • Bisschen weniger auf der Waage: öfter mal NEIN
  • Bisschen weniger Stress: definitiv NEIN
  • Bisschen mehr Achtsamkeit: oh JA
  • Bisschen mehr Zeit fürs Schreiben: JA JA JA

Alles richtig und alles nicht neu. Fühlt sich aber so an, als würde ich einen alten Text noch einmal hervorkramen und noch einmal überarbeiten … aber immer nur in Satzbau und Rechtschreibung. So komm ich nicht ran, an die eigentlichen Inhalte, an das, was wirklich bewegt.

Dabei ist „der alte Text“ gar nicht schlecht, mein Leben schön. Es fehlt nur der eine Kick. Der, der für mich die Geschichte zum WOW! machen würde.
Ich möchte gerne Schreiben und ich möchte gerne mit dem Schreiben mein Geld verdienen. Dann kann ich mich voll und ganz darauf konzentrieren. Auf das, was ich gerne tue. Das ist der eine Punkt, der mir zu meinem WOW! noch fehlt.

2018 habe ich ein halbes Jahr lang allen Realismus über Bord geworfen und genau das versucht. Das halbe Jahr ist rum. Und? Hab ich meinen Bestseller vor mir liegen? Nein. Natürlich nicht. Bin ich realistischer geworden? Nein, natürlich nicht!

Ihr könnt mich für naiv halten (irgendwie ist es sogar ein wenig paranoid), aber ich halte Realismus immer noch für gut getarnten Pessimismus. Und Letzteren kann ich einfach nicht leiden. Nee! Wirklich nicht! Wenn ich in ein Café gehe, um mir einen Kaffee Latte zu kaufen, und vor mir steht der Pessimismus am Tresen und bestellt genau das, einen Kaffee Latte, dann ordere ich aus Trotz einen Tequila Sunrise. Mit Schirmchen. Zum Mitnehmen.

Ich halte es mit Timothy Ferris:

„reality is negotiable“ (frei von mir übersetzt: „Realität ist verhandelbar“)

Aber mir ist auch bewusst, dass Unrealismus etwas für die langfristige Planung ist. Die Chancen, dass ich in einem halben Jahr von Softwareentwicklerin auf freie Texterin oder Schriftstellerin (oder beides) umsatteln und sofort ausreichend Kohle damit verdienen kann, sind einfach zu gering, um das Mal eben so zu wuppen.

Trotzdem hab ich mir das halbe Jahr kreative (und auch verrückte) Auszeit gegönnt. Warum? Weil ich es konnte. Und weil es mich weiter gebracht hat.
Ich habe 2018 mein fachliches Können um einiges verbessert, Kontakte geknüpft, die ersten Aufträge an Land geholt und die ersten Rechnungen geschrieben. Ich habe einen neuen Weg eingeschlagen und werde ihn weiter gehen.

Da sitze ich jetzt also im Januar 2019 mit meiner Kaffeetasse vor meinem Kalender und überlege, welchen Schritt ich jetzt als Nächstes machen soll (wie ich es so richtig gut machen kann) und wisst ihr was:

Ich hab noch keine Ahnung, aber ich freu mich drauf!

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