Wer bin ich und wenn ja, wie viele Genre?

Schooanree … kann man ziehen wie Kaugummi dieses Wort. Wird auch genauso quietschend in meinem Hirn von rechts nach links geknatscht und klebt sich dann irgendwo in eine Ecke, wo man es in unerwarteten Momenten wiederfindet. Aus Versehen plötzlich mitten rein gedacht. Bah, fies!

Jetzt mal ernsthaft: Ihr müsst mir helfen!

All die schlauen Schreibratgeber in meinem Regal betonen immer wieder wie wichtig es ist, seine Zielgruppe zu kennen. Und jetzt habe ich auch noch diese Absagen von den Verlagen bekommen, die mir mehr oder weniger das gleiche sagen. Aber ich weiß es einfach nicht!

Für wen schreibe ich denn, genauer: was für ein Genre?

Ich schreibe das, was mir Spaß macht und das ist offenbar mein Problem. Ich war schon immer eine Querleserin. Kinderbücher, SiFi, Erwachsenenromane, Krimis, Fantasy, Historisches, Triller, Frauenkitsch … ist mir völlig egal, her damit. Gut, Horror muss jetzt nicht grade, aber ansonsten bin ich überall dabei.

Wie hier bereits erwähnt, habe ich mit 14 Jahren Star Wars gelesen. Dazu kann ich mich an schwarzen Sand und grüne Buchdeckel erinnern, als ich im 3-Wochen-Sommerurlaub auf Lanzarote den kompletten Herrn der Ringe durchgezogen hab (meine Mutter sagt ich war 12 und TUI hatte damals noch vernünftige Gewichtsgrenzen fürs Fluggepäck).

Jetzt, mit Ende 30, greife ich ehrlich gesagt lieber in die Regale mit den Jugendbüchern. Für mein Empfinden kommen die oft fantasiereicher und „irgendwie liebevoller“ daher, als Erwachsenenliteratur. Bartimäus, Harry Potter, Skulduggery Pleasant oder auch Lockwood & Co, um hier mal ein paar Titel zu nennen.

Als ich zum ersten Mal den Begriff „All-Age“ gelesen habe, dachte ich: „Na bitte, das ist es!“ Ich hatte ernsthaft angenommen, den Begriff für die Art von Büchern gefunden zu haben, die ich gerne lese und die ich auch schreiben möchte.

Nur stellt sich heraus, dass die Verlagsszene sich offenbar unter All-Age etwas völlig anderes vorgestellt hat als ich. Und schon wieder bin ich raus und weiß einfach nicht mehr wo ich hin gehöre.

Als ich angefangen habe mein Manuskript zu schreiben („Salem Bonnfire – Hexenretter“), war ich felsenfest davon überzeugt einen All-Age-Fantasy-Roman zu schreiben. Eine Geschichte für alle, vom Jugendlichen bis hin zum Erwachsenen.

Die Geschichte ist eher fantasiereich und damit wohl „jung“, der Schreibstil ist nicht speziell auf Kinder ausgelegt, also eher „älter“. Das Alter meiner Hauptfigur hatte ich auf 13 festgelegt, nach einem Hinweis aus der Verlagsszene aber auf 14 hoch gesetzt. Der Ich-Erzähler – und rechte Hand des Protagonisten – ist ein Erwachsener.

Tja, als ich den fertigen Roman Penhaligon angeboten habe (ein speziell auf All-Age ausgerichteter Verlag) sagten die mir, mein Hauptcharakter wäre zu jung, aber sie sähen mich sehr wohl in einem Jugendbuchverlag. CARLSEN (seines Zeichens Jugendbuchverlag) sagt wiederum, der Charakter wäre mit 14 zu alt für die Geschichte, die Sprache aber wiederum zu alt für eine jüngere Hauptfigur, die aber zur Geschichte passen würde … ???

Leute, ehrlich ich bin ernsthaft verwirrt. Ich hab kein Problem damit etwas anzupassen, wenn ich feststelle, dass es so einfach nicht klappt. Ich könnte z.B. das Alter der Hauptfigur auf 12 runter setzen, dann hätte ich für einen Großteil der Verlagsaussagen eine Lösung. Aber was mach ich mit dem angeblich „zu alten“ Sprachstil?

Nicht nur, dass das an sich schon verwirrend ist, diese Aussagen passen auch so gar nicht zu den Büchern, die ich gerne lese und die sich da draußen doch auch alle gut verkaufen.

Nehmen wir z.B. Bartimäus. Die Hauptfigur in diesem Buch (die menschliche, nicht der Dämon) ist 12. Der Roman wird für Kinder ab 10 Jahren empfohlen. Aber der Schreibstil ist meiner Meinung nach ganz und gar nicht auf 10-Jährige ausgelegt, zudem wird es (größten Teils) von einem Ich-Erzähler erzählt, der schon mehrere Jahrtausende lang kein Jugendlicher mehr ist und also durchaus als Erwachsener durchgehen kann.

Hier mal ein Auszug aus dem offiziellen Wikipediaeintrag dazu:

Bartimäus ist eine Jugendbuchreihe, kann allerdings auch von Erwachsenen gelesen werden. Des Weiteren sind zahlreiche für Fantasy typische Elemente zu finden – so spielen zum Beispiel Magie, Zauberer und Dämonen eine wesentliche Rolle. (https://de.wikipedia.org/wiki/Bartim%C3%A4us_(Buchreihe))

… kann auch von Erwachsenen gelesen werden…

Entschuldigt, falls das hier wie bloßes Gemecker klingt. Ich will wirklich verstehen, was ich da verpasse. Gibt es irgendeine Richtlinie oder einen Punkt, den ich noch nicht kapiert habe? Oder liegt es einfach nur daran, wie der einzelne Lektor „junge“ und „alte“ Erzählweisen und/oder Geschichteninhalte empfindet.

Wenn ihr mir dazu irgendwas sagen könnt, schreibt mir bitte. Ich kann in diesem Punkt wirklich jede Hilfe gebrauchen!

Wenn ihr mögt:

2 Gedanken zu „Wer bin ich und wenn ja, wie viele Genre?

  1. Deine Gedanken kann ich gut nachvollziehen. Und wenn man einen Verlag sucht, sind sie unerlässlich. Dieses Einsortieren in Schubladen verlangt der Markt. Aber ich finde es fürchterlich. Da habe ich es als Selfpublisher zumindest ein bisschen leichter. Obwohl ich mich auch bei Amazon irgendwo einsortieren muss. Leider. Aber was du hier beschreibst, ist wenig schön. Ich wünsche dir, dass du für deine Bücher doch noch den passenden Verlag findest.
    Liebe Grüße
    Elke

    • Lieben Dank.
      Über das Selfpublishing hab ich auch schon nachgedacht, aber ich versuche es wohl erstmal weiter mit den Verlagen.
      Dir wünsche ich auch noch viel Erfolg mit deinen Projekten, viele gute Ideen und viel Spaß am Schreiben. 🙂
      Herzliche Grüße
      Jasmin

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